Als der Mensch begann sesshaft zu werden erwachte das Ich. Das hat dem Menschen die Welt entfremdet. Das Bewusstsein von Zeit und Raum entstand; und die Begrenztheit des eigenen Lebens trat in eine schmerzhafte Spannung zur scheinbaren Unbegrenztheit der für unsere Existenz wesentlichen Ressourcen: Zeit, Raum, Wasser, Luft, Licht.
Besonders zu Zeit und Raum hat der Mensch ein ambivalentes Verhältnis. Raum zu überwinden machte immer Mühe und in den Weiten des Raums vermutete man Gefahren. Und die Zeit wird am eigenen Körper als Verfall wahrgenommen.
Und so entstand eine Sehnsucht nach der Auflösung dieses Gegensatzes, der sich durch alle Zeiten und Kulturen verfolgen lässt. Die Suche nach Erleuchtung, Rausch und Ekstase. Es existiert keine menschliche Gemeinschaft über einen längeren Zeitraum ohne Rausch und Ekstase. Der Kampf dagegen ist immer wesentliches Anliegen der Agenten der zivilisatorischen Domestizierung.
Gleichzeitig ist diese Auflösung angstbesetzt. Wir fürchten uns davor uns zu verlieren, gehen zu lassen. Vielleicht ist diese Ambivalenz auch ein Erfolgsfaktor unserer Art.
Verliere nicht den Kopf!
Wie genau gibt diese Redensart doch die Wahrheit wieder. Wer den Kopf verliert stirbt.
Und davor ist die Furcht ist am größten. Wir fürchten uns am meisten vor jenem Zustand, in dem wir der Aufhebung der Trennung von Ich und Welt am nächsten sind: Wenn unser Leib in die kühle Erde gelegt wird und sich dort auflöst, in seine Bestandteile zerfällt in einem sanften Prozess der Zerstörung. Seine Bestandteile werden vom Regenwasser, das in den Boden dringt, von Insekten und Bakterien, die ihn als Wohnung und Nahrung gebrauchen, in die Welt verteilt. Wurzeln umschließen ihn und nehmen Moleküle auf, die sie aufwärts in die grünen Teile der Pflanze transportieren, um sie an anderer Stelle wieder in ihren Organismus einzubauen.
Atome sterben nicht. Die Toten sind überall.